Dozentin: Julia Dettke

Raumtexte/Texträume
Pariser Mietshäuser und koloniale Anwesen, Schlösser und Geisterstädte, ein Baumhaus und ein Zug nach Rom: Gebaute und gestaltete Räume und Architekturen spielen im französischen und auch italienischen experimentellen Roman der 1950er bis 1970er Jahre eine zentrale Rolle. Dabei erweisen sie sich nicht nur auf inhaltlicher Ebene als entscheidend, sondern strukturieren auch die Texte selbst, etwa indem die Aufteilung der Kapitel den Wohnungen eines Hauses entspricht oder die Buchseite in ihrer Materialität als gestalteter und gestaltender Raum in Erscheinung tritt. Im Seminar werden wir einige kanonische Werke des nouveau roman und OuLiPo (von Butor und Robbe-Grillet, Perec und Calvino) als Raumtexte lesen. Es geht dabei weniger um einen literaturgeschichtlichen Zugang denn um die textnahe Analyse in Form von close readings. Durch Einführungen in narratologische (Genette) und raumtheoretische (u.a. Foucault und Bachelard) Grundlagen soll dabei zudem das Verständnis von Texträumen vermittelt und erprobt werden. Bei Interesse könnten wir gegen Ende außerdem ein bis zwei relevante Filmbeispiele (z.B. der Nouvelle Vague) unter der erarbeiteten Perspektive in den Blick nehmen. Teilnahmebedingungen: Mindestens Grundkenntnisse in Französisch werden vorausgesetzt, Interesse an raumtheoretischen Fragen wäre wünschenswert. Zur Vorbereitung: Für einen ersten Einblick sei Espèces d’espaces von Georges Perec (Paris 1974) empfohlen.