Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, FU Berlin

Die Rede vom spatial turn hat in den letzten Jahren auch die Literaturwissenschaften erreicht. Sie signalisiert ein gewachsenes Interesse an raumtheoretischen Konzeptionen und Modellen, welche für die Analyse und Deutung von Literatur neue Aufschlüsse versprechen. Das Spektrum raumbezogener Zugänge zur Literatur ist breit. Es reicht von klassischen narratologischen und kultursemiotischen Raumstudien (Lotman, Bachtin), über kulturgeographische und geopoetische Fragestellungen bis hin zu Versuchen, relationale Raumkonzepte sozial- und kulturwissenschaftlicher Provenienz (u.a. Certeau, Foucault, Deleuze) auf literarische Texte zu beziehen. Gegenstand der Ansätze können sowohl die räumlichen Ordnungen der fiktionalen Welt als auch die Architekturen der Texte selbst sein (z.B. die materielle Oberfläche des Textbildes oder das Verhältnis von Text und Paratext).

Im Seminar werden wir uns erstens durch Lektüren theoretischer Texte einen Überblick über unterschiedliche Raumkonzepte verschaffen, diese zweitens auf ihre Anwendbarkeit für literaturwissenschaftliche Fragestellungen diskutieren und drittens raumbezogene Ansätze und Verfahren an ausgewählten literarischen Texten (u.a. von Kleist, Stifter, Kafka, Sebald) erproben.