Das Projekt „Architekturen der Seele. Ein Reiseführer in literarische Innenwelten“ analysiert verschiedene literarische Raumdarstellungen mit Blick auf die jeweiligen seelischen und mentalen Prozesse, auf die sie verweisen. Jedes Kapitel meines ,Reiseführers‘, dessen Raumerkundungen von antiken bzw. früh­neuzeitlichen Texten (Darstellung des Seelenkampfes in Prudentius „Psychomachia“, Teresa von Avilas Seelenräume  „El Castillo Interior“ ) über Textbeispiele aus dem 18. und 19. Jahrhundert (Goethe, Brentano, E.T.A. Hoffmann, Stifter) bis hin zu Autoren der Moderne und Postmoderne (Kafka, Beckett, Danielewski) reichen, führt den Leser durch eine besondere Form lite­rarischer Raumkonstruktion, deren Architekturen auf ihre bildsprachlichen Funktionen bei der Verbildlichung dessen, was im ,Inneren‘ der Figuren geschieht, befragt werden. Das Projekt schließt an den so genannten Spatial Turn an, eine Konjunktur von Ansätzen aus den Kulturwissenschaften, die Raumstrukturierungen als Grundlagen des Denkens thematisieren und auf ihre Implikationen für Sinnkonstruktionen befragen. In Erwei­terung des Spatial Turns, der die Architektur als eine Kulturtechnik des „gebauten Raumes“ bisher weitgehend vernachlässigt hat, zielt die Untersuchung darauf ab, die besonderen Implikationen architektonischer Raumkonstruktion für die literarische Subjektkonstitution herauszuarbeiten. Mein Anliegen ist es nicht, eine lückenlose Geschichte der literarischen (Innen-)Raumdarstellungen zu schreiben. Vielmehr möchte ich möglichst unterschiedliche Formen der Verwendung von Architektur in literarischen Texten vergleichend gegenüberstellen, um das Spektrum ihrer formalen, ästhetischen und narrativen Funktionen bei der stets räumlich operierenden Imagination von Innenwelten zu verdeutlichen.