12 (1/2015) – MEDIEN / ARCHITEKTUREN

Erscheinungsdatum: April 2015

Was heißt es, Architektur als Medium zu beschreiben? Gibt es eine spezifische Medialität der Architektur, und worin könnte sie liegen? Medien- wie Architekturwissenschaft beschäftigen sich mit diesen Fragen, wobei die Motive dafür unterschiedlich sind: Für die Medienwissenschaft ist Architektur ein ‚altes’ Medium, an dem sich elementare Medienfunktionen und -operationen exemplarisch aufzeigen und diskutieren lassen: Öffnen, Schließen, Filtern und Verteilen geraten hier als grundlegende Aspekte der Organisation von Wahrnehmung, Kommunikation und Verkehr in den Blick. Im Architekturdiskurs wurden medientheoretische Fragestellungen hingegen immer dann virulent, wenn der gebaute Raum durch neue Techniken – faktisch oder imaginär – transformiert wurde. So wird hier derzeit darüber nachgedacht, wie digitale Medien den städtischen Raum und die Erfahrung von Architektur verändern. Das Schwerpunktthema nimmt diese aktuellen Diskussionen zum Anlass, um nach ihren Bedingungen wie nach historischen Vorläufern zu fragen.

Denn die Frage nach der Medialität von Architektur stellte sich in unterschiedlichen technischen und diskursiven Konstellationen immer wieder neu, und die Konzepte und Modelle, die entstanden, hatten unterschiedliche politische Implikationen. Jeweils andere Funktionen und Elemente von Architektur rückten dabei in den Blick: In der klassischen Moderne beispielsweise wurde Architektur, unter dem Eindruck neuer Haustechniken und Verkehrsinfrastrukturen, als Maschine konzipiert, die Energie- wie Menschenströme verschaltet – eine Metaphorik, die ebenso die frühen Reflexionen technischer Medien kennzeichnet. Einen Höhepunkt erreichte der Austausch zwischen Architektur- und Medientheorie in den 1960er Jahren, in denen kybernetische Modelle in den Architekturdiskurs importiert wurden, Informations- und Zeichentheorien das Interesse auf die Gestaltung kommunikativer Oberflächen lenkten und die Thesen Marshall McLuhans Entwürfe für Klimakapseln und multimediale Environments inspirierten. Gegenwärtig hat sich, parallel zur immer komplexeren Verschränkung von gebautem Raum, Verkehrsinfrastrukturen, Kommunikations- und Informationsnetzen, ein Denken in Netzen und Prozessen durchgesetzt, das die Kopplungen heterogener Elemente in den Blick nimmt – und das sich auch in neuen prozessualen, multiskalaren Architekturmodellen manifestiert. Welche Vorstellungen von medialer Wirkung lassen sich an diesen und anderen Konzepten ablesen? Welche Handlungsmacht wird dabei Medien zugeschrieben, welche Rolle spielen soziale Praktiken?

Ziel des Schwerpunkthemas ist es, den spezifischen Politiken dieser unterschiedlichen Architekturen nachzugehen – modellieren sie doch das Zusammenspiel von gebautem Raum und sozialer Praxis und damit die Verteilung von Handlungsmacht jeweils neu. Architektur, so die hier verfolgte Perspektive, ist nicht ein Medium, sondern ein Aggregat von Medien, die in verschiedenster Weise wirksam werden. Entsprechend unterschiedlich wurde und wird Architektur konzipiert: als Verschaltung von Räumen, als Zeichenoberfläche und Bildträger, als Ensemble von Artefakten, deren Potenziale erst im Gebrauch aktualisiert werden. Erwünscht sind daher insbesondere Beiträge, die sich mit konkreten, historischen wie aktuellen Beispielen auseinandersetzen und gleichzeitig zu einer Schärfung theoretischer Fragestellungen beitragen. Auch an aktuellen Phänomenen und Diskussionen lässt sich zeigen, wie und mit welchen politischen Implikationen technische Gefüge, theoretische Modelle und soziale Konstellationen zusammenwirken. Auffällig ist etwa eine Entgrenzung des Architekturdiskurses, in dem Fragen unterschiedlichster Maßstabsebenen, von Logistikinfrastrukturen bis zur Mikroebene medialer Alltagspraktiken, verhandelt werden – Themen, für die sich derzeit ebenso die Medienwissenschaft interessiert. In beiden Feldern wird dabei die Akteur-Netzwerk-Theorie verstärkt rezipiert, aus deren Sicht Architektur in unzählige Vermittlungsketten eingebunden ist, in denen globale Netze ebenso eine Rolle spielen wie kleinste Artefakte und unscheinbare Zeichen. Welche Konsequenzen hat eine solche Perspektive für die Frage nach der Wirksamkeit von Architektur – und Medien allgemein – und ihrer Fähigkeit, in soziale Prozesse einzugreifen? Wie werden dabei Machtverhältnisse neu justiert? Inwiefern erfordern technologische Veränderungen neue Beschreibungen verteilter Handlungsmacht?

Texteinreichungen im Umfang von ca. 25.000 Zeichen bitte bis Ende August 2014 an:

meyer@architekturwissenschaft.net

CFP zum Download (pdf)

Stylesheet unter: http://www.zfmedienwissenschaft.de/

Redaktion des Schwerpunktes: Christa Kamleithner, Roland Meyer, Julia Weber